Reisebericht zur Herbsttanzreise „Istrische Riviera“ vom 5.-9.10.2025

 

Was habe ich mir eigentlich dabei gedacht, frage ich mich, als ich bei unfreundlicher Kälte in dunkler Früh zur Heiliggeiststraße gebracht werde. Dort ist nämlich in Innsbruck der Treffpunkt für die  Tanzreise nach Istrien. Freiwillig und ohne Notwendigkeit habe ich mich wohl irgendwann in der Vergangenheit entschlossen, daran teilzunehmen. Eigentlich hätte ich jetzt in meinem Urlaub endlich einmal ausschlafen können. Selbst Schuld.

 Bei unfreundlichem Wetter startet der Bus nach Wörgl. Über Pass Thurn und dem verschneiten Felber-Tauern, vorbei an Villach und Laibach gelangen wir (49 Reiseteilnehmer) schließlich am Nachmittag nach Porec, unserem Ziel auf Istrien.

Dort erbarmt sich der Wettergott und erstmals an diesem Tag kommt zwischen Wolken blauer Himmel zu Vorschein. Nach dem Einchecken im riesigen Valamar Diamant Hotel erwartet uns ein grandioses Abendbuffet. Anschließend wird zu „Pretty Bellinda“ und anderen Ohrwürmern getanzt.

Es ist schon schwierig, allein bei einem Blocktanz die richtigen Schritte zu finden. Wer sich nicht konzentriert und an irgendetwas anderes denkt, kommt unweigerlich aus dem Rhythmus und macht die falschen Schritte. Tanzen verlangt daher, kurz alle Sorgen und Alltagsprobleme zu vergessen und den Moment zu leben.

Das Frühstücksbuffet am nächsten Tag steht dem vorangegangenen Abendbuffet an Auswahl und Köstlichkeiten in nichts nach. Bei fast wolkenlosem Himmel fährt uns anschließend der Bus wenige Kilometer zum Küstenort Porec, wo uns schon der lokale Guide erwartet. Per pedes führt er uns vorbei an einem fünfeckigen Wachturm, der Überbleibsel einer Burgmauer ist, über Kopfsteinpflaster in die historische Altstadt und erläutert dabei die bewegte und wechselnde Geschichte von Istrien.

Von Porec kann man dem Strand entlang zu Fuß oder gemütlich mit einem Bummelbähnchen zurück zum Hotel kommen. Man konnte an allen Tagen bei strahlendem Sonnenschein auch sehr gut ins Meer schwimmen gehen.

Die heutige Unternehmung führt uns durch ausgedehnte Laubwälder ins Hinterland, ins Innere von Istrien, zum Markt im verschlafenen Ort Pazin.  Im Vergleich zu den Wochenmärkten am Gardasee, sind die feilgebotenen Kleider hier weniger adrett und schick. Alles atmet noch ein Bisschen kommunistische Schwermut und ist zumindest 20 Jahre zurück.

Zu Fuß durch die überschaubare Altstadt gelangt man zur Burg Pazin. Die Burgmauer wird durch einen kleinen Turm überragt, an dem eine große Wanduhr prangt. Die Zeit kann man dort jedoch nicht ablesen, denn es fehlen die Zeiger – fast symbolhaft für die Gemächlichkeit und Zeitlosigkeit des Ortes.

Am letzten Tag in Istrien besteigen wir im Hafen von Porec ein kleines zweideckiges Schiff namens Marco Polo.  Mit Unterstützung eines Pappmatrosen, der im Korb auf der Mastspitze mit seinem Fernrohr den Horizont absucht, tuckern wir zwischen Klippen und kleinen Inselchen sicher nach Rovinj. Während wir den Ausblick genießen, unterhält uns ein wirklicher Matrose auf seiner Ziehharmonika mit stimmungsvollen Seemannsliedern.

Angekommen im Hafen von Rovinj führt mein Weg auf den alles überragenden Hügel und der darauf thronenden Kirche der heiligen Euphemia. Der Rundumblick von dort ist wunderschön. Durch enge Gassen mit vielen kleinen Geschäften gelangt man zurück in den Ort und an den Hafen. 

Zu Hause im Hotel angekommen, dürfen wir noch ein letztes Mal tanzen. Allerdings mit Einlage eines emotionalen Höhepunktes. Ein Ehepaar feiert an diesem Tag seine diamantene Hochzeit. Unter Applaus aller gehört Ihnen einen Walzer lang allein die Tanzfläche. Sehr berührend.

Heute ist Abreisetag. Dank des routinierten Busfahrers Erwin gelangen wir sicher über Udine , Villach, Felbertauern und Pass Thurn zurück in eine wolkenverhangene und verregnete Heimat.

Der bunte Haufen hat sich sehr gut zusammengefunden. Die Reise war für alle – so mein Eindruck – sehr angenehm, anregend und unterhaltsam. Und ich hatte das Bedürfnis mich zu erkundigen, wohin und wann die nächste Tanzreise wohl stattfinden wird. Ich möchte auf jeden Fall wieder dabei sein!

 

Bericht Dr. Wolfgang

Fotos Birgit Sailer