Kontratanz – Tanz der Synapsen und Lorbeerzweige

Am 7. März 2026 fanden sich 32 Tänzerinnen aus Wien und Umgebung, großteils Tanzleiterinnen, im schönen Festsaal in der Walfischgasse ein, um in die Welt der Kontratänze einzutauchen.

Gertraud Krinzinger zeigte uns Beispiele aus einer großen Vielfalt von Aufstellungen aus vier Jahrhunderten lebendiger Tanztradition. Stammen die ersten überlieferten „Country-Dances“ aus London, wo die Jus-Studenten in den Inns of Court von etwa 1570 bis 1675 Notizen der bei ihren Unterhaltungen getanzten Allemanden und Measures hinterließen, wo ab 1651 der Verleger John Playford und seine Nachkommen den Dancing Master mit insgesamt 1.053 Tänzen herausgaben, und wo die Musikhändler-Familie Cahousac von 1758 bis 1821 beinahe jährlich Kontratänze samt Musik veröffentlichte. Von England aus verbreitete sich der Kontratanz über Europa und die USA, von wo er wieder nach Europa zurückkam und ständig weiterentwickelt wird.

Als Gruppe realisierten wir vorgegebene Choreographien, bei enen wir das gesamte Geschehen im Auge behalten mussten. Im Kontratanz hat nämlich jedes Paar ein Kontrapaar, mit dem es interagiert, aber in jedem Durchgang bekommt man ein neues Kontrapaar! Wechselnde Aufstellungen und ständig wechselnde Funktionen der Tänzerinnen ließen unsere Synapsen tanzen. Kreiskontra, Kontra einfach, Kontra kreuzüber, Aufstellungen zu fünft und zu siebent und Trios im Flankenkreis. Mal wanderte man nach „unten“, dann wieder nach „oben“. Kaum hatte man sich daran gewöhnt, was man im Paar 1 zu tun hatte, war man nach einer kurzen Rast am Ende der Gasse zu Paar 2 geworden. Figuren wie „lead up“, „lead down“, Hecke, Sternkreis, „cast out“, Handtour, Paarkreis und Achter malten Mandala-artige Bodenwege auf das Parkett. Schließlich durften wir uns aus den „Sprigs of Laurel“ des gleichnamigen Kontratanzes von 1795 einen Lorbeerkranz aufsetzen.

Wir hoffen auf eine zeitnahe Fortsetzung mit Gertraud Krinzinger.

Eva Orlich